Flüchtlingshilfe als österreichische Pflicht statt österreichisches Problem

Vor einiger Zeit bin ich auf die sehr amüsante Facebookseite „Austrian Problems“ gestoßen, die absurde österreichische Zeitungsmeldungen sammelt und diese auf Facebook zur Schau stellt. Dabei handelt es sich mal um eine Rauferei, um eine Kantwurst im Supermarkt oder auch mal um einen Goldfisch, der auf einer Linzer Straße sein Leben gab. Österreich scheint ruhig genug zu sein, dass solche Fälle es regelmäßig in die Zeitung schaffen. Das ist ja quasi zu erwarten, schließlich ist Österreich einer der wohlhabendsten Staaten der Erde und hat auch eine sehr hohe Lebensqualität, dass es doch keine größeren Probleme geben sollte.

Man kümmert sich ja auch sehr gut um die Österreicher_innen. Oder ihre Tiere. Beispielsweise bekommt die Wiener Tierschutzhaus Betriebsgesellschaft von der Stadt Wien 11,10 Euro pro Tag um sich um einen vor schlechten Tierhalter_innen geretteten Hund zu kümmern (1). Das ist natürlich lobenswert und ganz im Sinne aller Tierfreund_innen. Aber auch selbstverständlich, diese Tiere sind ja mehr oder weniger Österreicher_innen.

Dass Quartiergeber_innen für die Verpflegung und Unterkunft eines Flüchtlings gerade einmal 19€ pro Tag bekommen ist da schon weniger lobenswert. Flüchtlinge, die sich privat versorgen, also in einer eigenen Wohnung wohnen und sämtliche Ausgaben selbst bezahlen, bekommen noch weit weniger. Beispielsweise würde eine fünfköpfige Flüchtlings-Familie in der Steiermark maximal 910€ im Monat bekommen, pro Kopf wären das kaum mehr als 6€ jeden Tag (2).

Diese Menschen sind über Monate hinweg oft zusammengepfercht in einem LKW oder auf einem Schiff vor Krieg und Tod geflohen. Falls sie es überhaupt nach Österreich schaffen, kann es mittlerweile gut sein, dass sie erst einmal eine Nacht ohne Betreuung auf einer Wartebank in der Erstaufnahmestelle sitzen müssen bevor sie ein paar Tage darauf in eine Zeltstadt ziehen dürfen (3). Warum gerade Zelte vom Innenministerium aufgestellt werden und nicht stabilere, komfortablere Unterbringungsmöglichkeiten ist fragwürdig, wird allerdings offiziell auf den plötzlichen Anstieg an Flüchtlingen zurückgeführt. Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner betont dagegen, dass der Krieg in Syrien „nicht gestern entstanden“ ist und genug Plätze für Asylwerber_innen auch ohne plakative Zeltstädte vorhanden seien (4).

Solange die Anliegen und Probleme von Flüchtlingen nur als eine kurzfristige unangenehme Notwendigkeit gesehen werden, solange werden sie eine menschenunwürdige Behandlung in den Zeiten ihrer Not ertragen müssen. Österreich kann noch so wohlhabend sein und noch so wenige wirklich bedeutsame Probleme haben, ohne eine humanitäre Einstellung gegenüber Flüchtlingen wird es nicht zu bedeutsamen Verbesserungen derer Lage kommen.

 

 

Referenzen:

  1. http://www.stadtrechnungshof.wien.at/berichte/2011/lang/05-28-KA-III-60-1-11.pdf
  2. http://www.soziales.steiermark.at/cms/ziel/112908349/DE/
  3. http://derstandard.at/2000015798691/Oesterreich-bringt-Asylsuchende-in-Zelten-und-Schubgefaengnis-unter
  4. http://kurier.at/chronik/oberoesterreich/asyl-krisengipfel-laender-stellen-1-000-zusaetzliche-plaetze-bereit/130.607.625

Bruno Sagmeister ist Teilnehmer des 7. Jahrgangs der Wirtschaftspolitischen Akademie 2014/15

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