EU – on the edge (Was ist aus dem großen Nachkriegstraum geworden?)

„Für Österreich – EU Austritt“, haben Sie diesen Spruch schon einmal irgendwo gelesen? Die EU scheint nach der Finanz- und Wirtschaftskrise wichtige Schritte versäumt zu haben, denn die Stimmung in den Ländern scheint schlechter denn je zu sein. Hohe Arbeitslosigkeit, vor allem unter den 15-24 Jährigen und eine gescheiterte Migrations- bzw. Außenpolitik verschlechtern die Stimmung Jahr für Jahr. Die Situation im Jahr 2016 ist sicherlich komplexer als noch jene, in den 1950er Jahren. Finanz- und Wirtschaftskrise, Skeptiker, Nationalismus und Radikalismus sind die größten Herausforderung der Europäischen Union in den kommenden Jahren. Damit wieder auf eine verstärkte europäische Integration stattfinden kann, ist vor allem der Diskurs und der Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern nötig. Vor allem die Länder an den Grenzen Europas, wie Italien und Griechenland sind mit den Massen an Flüchtlingen aus Afrika und dem nahen Osten restlos überfordert. Die EU hat vor allem die wirtschaftliche Integration exzellent vorangetrieben aber bei der Außen- und Sicherheitspolitik sowie bei Fragen der Sozialpolitik noch Aufholbedarf. Vor allem die Flüchtlingskrise im Jahr 2015 hat Europa einmal mehr wachgerüttelt. Niemand kann die Augen vor so viel Elend und Not noch länger verschließen. Europa hat es über Jahre hinweg geschafft, die Situation nicht ernst genug zu nehmen. Die Flüchtlingszahlen stiegen auf einen Höchststand, wie noch zu keiner Massenflucht zuvor. Bis einschließlich November 2015 verzeichnete Österreich über 80.000 Asylanträge.¹ Was ist jedoch wesentlich um diese Defizite in Zukunft aufzuholen und vor allem diese neue Art der Flüchtlingsbewegung zu bewältigen?

Was können wir, als EU Bürgerinnen und Bürger bewirken? Erasmus, freier Personenverkehr, freie Wahl des Arbeits- und Studienortes und Anerkennung der Studienleistung in der ganzen EU durch die Bologna Reform, Steigerung des Außenhandels und vieles mehr. Genau, wir die Generation Y, wie sie gerne genannt wird, können informieren und unsere Geschichte erzählen. Gerade jetzt ist es wichtig den Diskurs und Informationsaustausch mit Nachdruck zu fördern um Informationsdefizite bei EU Bürgerinnen und Bürgern aufzuholen. Viel zu oft bleibt man voreingenommen, informiert sich zu wenig und glaubt Spekulationen, anstatt Fakten, glaubt dem Klatsch und Tratsch an jeder Straßenecke, anstatt selbst rational zu überlegen. Das Ziel ist die EU auch für Skeptiker wieder attraktiv zu machen und so unser Potential voll auszuschöpfen. Beispielsweise hat Österreich sowohl von der Ostöffnung im Jahr 1989, als auch vom EU Beitritt selbst, wirtschaftlich enorm profitiert. Das reale BIP konnte durch die Ostöffnung um 3,6% gesteigert werden. Außerdem lieferten diese beiden Maßnahmen 375.000 neue Arbeitsplätze.² Es ist einfach das Negative in einer Situation wie wir sie gerade erleben zu sehen, jedoch kann uns diese Flüchtlingsbewegung unheimlich bereichern. Durch die Globalisierung wird unsere Welt immer heterogener und Kulturen vermischen sich. Jetzt ist unsere Chance zu zeigen, dass ein Miteinander möglich ist und es uns bereichert anstatt eine Last zu sein. Wir müssen aufhören über die Unzähligen neuen Türen die uns die EU geöffnet hat zu schweigen, stattdessen müssen wir anfangen diese zu unterstreichen. Auf diese Weise kann das Bewusstsein für ein gemeinsames Europa wieder zurück in das Gedächtnis aller Menschen gerufen werden. Probleme und schwierige Situationen sind da um bewältigt zu werden und nicht um den Kopf in den Sand zu stecken. Aufzuwachsen, in einem so privilegierten und sicheren Umfeld ist auf der Welt wohl etwas Einzigartiges und es ist unsere Verantwortung diese Sonderstellung hochzuhalten. Wir haben genug Wohlstand, um auch andere daran teilhaben zu lassen. Schließlich will sich niemand in 50 Jahren nachsagen lassen, man wäre egoistisch, selbstsüchtig und ignorant gegenüber anderen Kulturen gewesen. Auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut, doch wenn wir den Diskurs mit allen EU Bürgern nachhaltig fördern, kann der Europäische Gedanke wieder in das Gedächtnis und auch in das Herz der EU Bürgerinnen und Bürger gelangen.

Quellen:

Verena Weixlbraun ist Teilnehmerin des 8. Jahrgangs der Wirtschaftspolitischen Akademie.

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