Die Reinkarnation des Nikola Tesla

1856 kam in einem kleinen kroatischen Dorf Nikola Tesla zur Welt. Seine Erfindungen und Errungenschaften – im Bereich der Physik und des Elektroingenieurswesens – führten damals zu immensen technischen Revolutionen und prägen auch heute noch, rund 150 Jahre später, unsere Welt.

70 Jahre nach Teslas Tod gelingt es dem Kroaten Mate Rimac im Jahr 2013, die Maßstäbe führender Elektrotechnologie im Automobil- und Elektroingenieurssektor neu zu setzen und zum Pionier weitreichender automobiler Entwicklungen zu werden.

Dies ist der Versuch, das Wirken Mate Rimacs mit dem Automobilhersteller „Rimac Automobili“ in den Kontext wirtschaftspolitischer Entwicklungen zu stellen.

Anfangs einige Worte zum Firmengründer: Mate Rimac ist seit seiner Kindheit besessen von schnellen Autos. Er wächst aufgrund des Kroatienkrieges, der im Zuge des Zerfalls Jugoslawiens ausbrach, Anfang der 90er Jahre als Gastarbeiterkind in Frankfurt auf. Nach dem Ende des Krieges, zieht die Familie Rimac zurück nach Kroatien, wo Mate neben der Matura auf der regionalen technischen Schule sein dazugehöriges Maturaprojekt realisierte. Es beinhaltete die Konstruktion und den Bau eines elektrischen multifunktionalen Handschuhs für Computer, welcher bis heute patentiert ist.

Der Kindheitstraum vom schnellen Auto aber bleibt omnipräsent, weshalb Mate einen älteren, benzinbetriebenen 1986er BMW E30 nach gescheiterten Rennversuchen in der Garage seiner Eltern in eine elektrische Version umbaute, zahlreiche Rekorde brach und diese bis heute hält.

Inspiration, Naivität, Konkurrenz und Wirtschaftspolitik

Weltweit gibt es nur eine Handvoll Unternehmen, die es neben den etablierten Konzernen geschafft haben, in der Sport- und Schnellwagenindustrie Fuß zu fassen. Während Marktführer wie VW oder Toyota erheblichen Vorsprung haben, ist die Automobilindustrie generell von einer der höchsten Eintrittsbarrieren geprägt. Wenige, wie z.B. Christian von Koenigsegg schaffen es mit sog. „Super- und Hypercars“ (Sportwagen über 1000 PS) Fuß zu fassen.

Dennoch entschied sich Mate als Student nach dem Umbau seines BWM dazu, ein eigenes Hypercar zu entwerfen. Unterstützung erhielt er von Adriano Mudri, einem österreichischen Automobildesigner, der auch international renommiert ist. Die Chance ein eigenes Modell auf den Weg zu bringen war jedoch sehr gering, zumal Kroatien keine eigenen Autos herstellte und nicht einmal Zulieferfirmen beheimatete.

Werstätten

„Automobile assembly and engine production plants in Europe“ Darstellung:European Automobile Manufacturers Association (ACEA).Die Grafik zeigt Produktionsstätten für Fahrzeuge in Europa.

Die allgemeine wirtschaftspolitische Lage in Kroatien hat sich auch mit dem EU-Beitritt 2013 noch nicht verbessert. Das Land leidet an massiver Abwanderung von qualifizierten, meist jungen, Fachkräften („Braindrain“) in andere Länder Europas. Allein letztes Jahr verließen rund 80.000 Menschen das Vier-Millionen-Einwohner-Land. Die Hauptgründe dafür sind schlechte Löhne, wirtschaftliche Rezession und fehlende Perspektiven. Es fehlen Strategien, Kroatiens wirtschaftliche und politische Zukunft unter steigendem internationalen Druck zu sichern. Auch der stärkste Wirtschaftssektor, der Tourismus, mit 12 Mrd. Euro Umsatz im Jahr 2018 kann diese Lücke nicht mehr so leicht schließen. Anderen Staaten am (West-)Balkan ergeht es ähnlich.

In Europa dominieren im Automobilsektor vor allem Tschechien und Deutschland. Die Eintragung als Automobilhersteller im PKW-Bereich erhielt Kroatien erst mit der Firmengründung Mates.

AL

Arbeitslosigkeit Deutschland, Kroatien und Tschechien im EU-Vergleich (Eigene Darstellung) – Quelle: Statista. Stand: Mai 2019.

Zurück zu Mate

Obwohl Mate von seinem Vorhaben abgeraten wurde, er weder staatliche noch private Unterstützung erhielt, entschied er sich trotzdem, das erste elektrische Hypercar zu bauen. Selbst wenn Risikokapitalfonds als Finanzierungsinstrument in Kroatien existiert hätten, wäre die Entwicklung von Elektroautos – damals praktisch nicht präsent – schwierig gewesen.

Nach ersten gescheiterten Entwürfen und Finanzierungsproblemen, begann die von Mate neu gegründete Firma „Rimac Automobili“ eigene elektronische Komponenten herzustellen und zu verkaufen um das teure Ankaufen von Autoteilen über Primär – und Sekundärherstellern zu vermeiden. Mit den Einnahmen und zusätzlichen Investitionen Privater realisierte die Firma schließlich 2011 das weltweit erste elektrische Hypercar: „Rimac Concept_One“, von dem insgesamt nur 8 Stück produziert wurden.

Der Concept_One – eine Klasse für sich

Die bestätigten Daten des Concept_One, mit über 1200 PS und hohen Beschleunigungsraten (von 0-100km/h in 2.5s) sind beeindruckend, angesichts dessen, dass das Auto von einem nicht etablierten Produzent gebaut wurde. Alle Bestandteile des Wagens werden In-House entwickelt, ge- und verbaut, zusätzlich verfügt das Auto über das weltweit stärkste Motorensystem. Das „Torque Vectoring System“ inkludiert einen Supercomputer, der in einer 100/Sekunde jeden Reifen separat steuert und die Energie der vier Motoren effizient verarbeitet. Damit kann es beispielsweise in Kurven vorkommen, dass einer von vier Reifen bremst, während alle anderen beschleunigen.

Weltweit erregte die Sicherheit des Autos Aufsehen, als sich der britische Moderator „Top Gear“ Moderator Richard Hammond, während eines Unfalls bei einem Demonstrationsrennen in der Schweiz mehrfach überschlug. Er blieb bis aufs Knie unverletzt.

Zurück zur Firma

In den nächsten Jahren wuchs die Firma von weniger als zehn MitarbeiterInnen im Jahr 2011 auf über 480 im Jahr 2019 – Tendenz steigend. Neben der gänzlichen Herstellung und Fertigung aller Komponenten, kooperiert die Firma mit vielen Hightech-Unternehmen auf der ganzen Welt, und fertigt spezielle Teile und Lösungen an, wie z.B. für die schwedische Hypercar-Automarke „Koenigsegg“. 2018 beteiligte sich Porsche mit 10% an Rimac Automobili.

Neben Hypercars fertigt das Unternehmen mit der Tochterfirma „Greyp“ mittlerweile auch elektrische Mountainbikes und Langstreckenfahrräder. Das Knowhow wird auch in die Entwicklung und Verbesserung von elektrischen Rollstühlen eingesetzt.

Fortsetzung ohne Limit…

Die Geschichte endet aber nicht hier. Anfang 2018 präsentierte das Unternehmen sein neuestes Aushängeschild: „Rimac C_Two“. Dieses Hypercar galt als Zenit der Genever Motor Show 2018 und bricht erneut Rekorde (1914 PS und 1.85 Sekunden für eine  Beschleunigung von 0 auf 100 km/h) im Bereich Hypercar und autonomes Fahren.

… und Kroatien?

Trotz der oben geschilderten Probleme verzeichnet Kroatien in den letzten acht Jahren ein leichtes Plus in Direktinvestitionen und Warenausfuhr. (Elektrische) Maschinen und mechanische Geräte bilden gemeinsam mit insgesamt 9,6% die wichtigsten Exportgüter (siehe Grafik) nach mineralischen Brennstoffen.

Das Unternehmen selbst zählt zu den am schnellsten wachsenden in Kroatien mit laufend steigenden MitarbeiterInnenzahlen und zeigt, wie einst Nikola Tesla, welches Potenzial in Elektrizität steckt. Unter genannten Umständen und Bedingungen, kann fast gesagt werden, dass der Erfindergeist Nikola Teslas darin weiteratmet.

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Die fünf größten Exportgüter Kroatiens (Stand: 2018). Quelle und Darstellung: WKO.

 

Verwendete Quellen:

Battle of the Supercars: Koenigsegg vs. Rimac – Pioneers Festival 2015: https://www.youtube.com/watch?v=W3E1VZcxsvc

Croatia :: Mate Rimac – Rimac Automobili – Electric Car Startups – Jan 11 2016: https://www.youtube.com/watch?v=1FsrgJ66wUw

Rimac C_Two | Fully Charged: https://www.youtube.com/watch?v=ho-miCbIr84

U svom filmu – Mate Rimac: https://www.youtube.com/watch?v=s505tA1YwNc

Rimac Concept_One drive https://www.youtube.com/watch?v=iCd32Eiuxak

Rimac: https://www.rimac-automobili.com/en/

Der kroatische Elektroautobauer Rimac hat auf dem Genfer Autosalon das Rimac Concept 2 vorgestellt. Der Elektrosportwagen leistet fast 2.000 PS und rennt über 400 km/h schnell.: https://www.auto-motor-und-sport.de/news/rimac-concept-2-daten-marktstart-preis/

Richard Hammond bei Bergrennen verunfallt : https://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/richard-hammond-bei-bergrennen-verunfallt/story/31784147

The $1.2 Million Electric Croatian Supercar You’ve Probably Never Heard Of | Translogic 216: https://www.youtube.com/watch?v=rlODkKMZWII

Rimac Factory Tours Becoming a Popular Tourist Attraction: https://www.croatiaweek.com/rimac-factory-tours-becoming-a-popular-tourist-attraction/

Rimac Technology in Wheelchair: https://www.rimac-automobili.com/en/press/news/rimac-technology-in-wheelchair/

Adriano Mudri – Rimac Automobili, Director of Design: https://www.automotivedesignconference.com/portfolio/adriano-mudri/

Öko-Monster mit 1088 PS: https://www.autobild.de/artikel/rimac-concept-one-genf-2016-vorstellung-1896024.html

https://www.kleinezeitung.at/wirtschaft/5628591/ESportwagen_Kroatien_Hyundai-kauft-sich-bei-Rimac-ein

https://www.wko.at/service/aussenwirtschaft/die-kroatische-wirtschaft.html

http://wko.at/statistik/laenderprofile/lp-kroatien.pdf?_ga=2.261076877.1632841572.1562361812-1634935213.1562361812

https://www.auto-motor-und-sport.de/news/rimac-concept-2-daten-marktstart-preis/#bildergalerie

https://www.croatiaweek.com/rimac-factory-tours-becoming-a-popular-tourist-attraction/

https://glashrvatske.hrt.hr/de/nachrichten/wirtschaft/mate-rimac-unternehmer-des-jahres/

https://lider.media/aktualno/tvrtke-i-trzista/poslovna-scena/mate-rimac-dao-38-svog-vlasnistva-za-svjez-kapital/

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/160142/umfrage/arbeitslosenquote-in-den-eu-laendern/

https://www.youtube.com/watch?v=D9k2nT4zeu4(!!!!!!)

https://www.acea.be/statistics/article/automobile-assembly-engine-production-plants-in-europe

https://www.goodreads.com/book/show/6929504-the-yugo

https://www.industryabout.com/world-automotive-industry-map

https://www.youtube.com/watch?v=8sqinB-szCw

Lukas Soldo ist Teilnehmer des 11. Jahrgangs der Wirtschaftspolitischen Akademie.

 

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